Jedes Jahr am Karfreitag treffen sich die besten Murmelspieler der Welt, oder wenigstens die aus Sussex und Surrey, in dem kleinen Flecken Tinsley Green, direkt am Londoner Flughafen Gatwick gelegen. Der Greyhound-Pub ist eines der fünf Häuser, aus denen der ganze Ort besteht.
Dort werden seit Menschengedenken die "Britischen und Weltmeisterschaften im Murmelspiel" ausgetragen.
Die Legende sagt, daß dort zu Zeiten der Königin Elisabeth I. eine Jungfrau lebte, so schön, daß gleich zwei Burschen sich in sie verliebten. Also mußte ein Wettkampf ausgetragen werden um die Gunst der Schönen. Doch ob Steinwurf, Wettlauf oder Stockkampf, beide waren einander ebenbürtig, und kein Sieger war zu ermitteln. Ratlosigkeit machte sich breit, denn wenn ein Mädchen so schön ist, muß man es verheiraten, sonst gibt es Ärger!
Endlich sprach ein Bauer: "So laßt sie doch murmeln, dabei gibt es immer einen Sieger!"
Gesagt - getan, die beiden bestritten ein Murmel-Match, der Sieger bekam die Maid, und der Greyhound-Pub seine Tradition. Seit dieser Zeit wird dort am Karfreitag ein Murmelwettstreit ausgetragen.
Andere sagen, dieses Datum sei der Beginn der Frühjahrsbestellung, und die Bauern würden von altersher vor der Aussaat Samen oder Kartoffeln über das Feld rollen, um sie "aufzuwecken".
Heute jedenfalls ist der Karfreitag der letzte Tag und der Höhepunkt der britischen Murmelsaison, die stets am Aschermittwoch beginnt.
Um Jungfrauen wird heute allenfalls noch symbolisch gekämpft, nämlich wenn die Moriskentänzer der Rumplin Drumskins die WM begleiten. Der Sieger im Murmelsport erhält einen Wanderpokal, der 6 Pint Bier faßt. Früher wurde dieser Pokal voll vergeben, und die zweitplazierte Mannschaft mußte das Bier an Ort und Stelle austrinken. Heute wird davon abgesehen, doch Bier erhält der Vizemeister noch immer, allerdings in Büchsen.
Seit 1995 sind Beobachter aus Deutschland dabei, und seit 1997 spielen deutsche Mannschaften regelmäßig mit. Im Jahr 2002 ging der Pokal erstmals nach Deutschland, zu den "Saxonia Globe Snippers" aus Chemnitz, und die Sportler vom benachbarten "1.MC Erzgebirge" stellten mit Benny Mehnert sogar den Individual Champ. 2003 und 2004 gab es ein rein deutsches Finale, und auch der beste Einzelspieler kam mehrmals aus Sachsen.
Im Jahr 2006 haben die Sportler vom 1. MC Erzgebirge den Titel gewonnen, Gabi Mühlisch vom Saxonia Globe Snippers ist beste Spielerin, und nur Darren Ray von den 49ers konnte die Ehre der Briten verteidigen.
Ergebnisse der Weltmeisterschaften seit 1932:
Zum Wikipedia Eintrag der British and World Marbles Championship
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